Sonntag, 5. Juli 2015

Tucheze na tuimbe!



Bericht aus dem Schulalltag

Lu und ich gehen sehr gerne in die Schule, was sehr an den Kindern dieser Institution liegen muss. Jedes Kind ist für sich speziell und hat besondere Bedürfnisse und Angewohnheiten, von denen wir die meisten nun kennen und wissen, was die Kinder wollen. Was sie immer wollen, ist zu Musik tanzen und Mandazis essen. Jeden Morgen, wenn wir in die Schule kommen, werden wir gefragt: “Leee waka waka leo?“ ( mit waka waka beziehen sie sich auf den Song, den Shakira zur WM damals sang, sie wollen also Musik) oder „Mandazi?“. Also werde ich euch mal unseren gewöhnlichen, jetzt gefestigten Tagesablauf und den der Kinder erklären, es wird ja auch langsam Zeit!


4 Uhr Boarding School Kinder müssen aufstehen und werden von den beiden Hausmamas geweckt. Danach waschen sich die Kinder/ werden gewaschen und waschen Klamotten. Anschließend wird gemeinsam in der Assembly Hall auf das Frühstück ( meist Porridge) um 7 Uhr gewartet.
8 Uhr
Die Schule beginnt, inzwischen sind auch die Kinder da, die nach der Schule nach Hause gehen, weil sie in der Nähe wohnen.
Die Kinder versammeln sich zusammen mit den Lehrern in der Assembly Hall. Dort wird gesungen, getanzt und eine konkrete Bibelstelle behandelt. Diese Versammlungen werden meist auf Luo ( örtliche Sprache, da Kisumu im Gebiet des Volkes der Luos liegt) abgehalten, da die meisten Kinder nur Luo verstehen/sprechen können. Lu und ich kommen da mit unseren
Kiswahili- Kenntnissen leider nicht weit, weil es eine komplett andere Sprache ist!
→ diese Zeit nutzen wir zum Mandaziteig vorbereiten
9.00 -10.30 Uhr Während die meisten Kinder Unterricht haben, kochen wir zusammen mit der Klasse des Haushaltsworkshops die Mandazis an der Feuerstelle draußen.
10.30 -11.00 Uhr Teabreak: Jetzt verteilen wir die Mandazis an die Kinder und verkaufen sie an die Lehrer.
11.00 -12.30 Uhr Wir spielen entweder mit den Kindern, schneiden jeden zweiten Tag Früchte für das Mittagessen auf oder bereiten Dinge für unsere Projekte vor und arbeiten daran.
12.30 – 14.00 Uhr Mittagspause, die Kinder bekommen entweder Ugali mit Sukuma Wiki, Bohnen mit Mais (Nyoyo/Githeri) oder Bohnen mit Reis.
14.00-14.30 Uhr Zähneputzzeit!
14.30 – 15.30 Uhr Nachmittagsgestaltung, welche meist zwischen Musik/Tanz und Sport variiert
15.30 Uhr Feierabend für uns! Wir gehen nach Hause und verbringen unseren Nachmittag mit Treffen mit Freunden, unserer kleinen Familie hier, schwimmen, waschen, kochen und putzen.

Der Tag der Kinder ist ziemlich durch strukturiert, denn die meisten von ihnen brauchen einen festen Tagesablauf, an den sie gewohnt sind. Ab 15.30 Uhr lösen die beiden Hausmütter die Lehrer ab und übernehmen die Verantwortung für die Boarding Schüler. Zusammen wird dann wieder gewaschen, sich umgezogen und in der Assembly Hall bis zum Abendessen um 18 Uhr getanzt/gesungen. Um 21 Uhr gehen die kleineren Kinder schlafen, die größeren waschen erneut Wäsche bevor sie ins Bett gehen.


Nun möchte ich zu unseren Projekten (inner-und außerschulisch) kommen, die wir bisher gemacht haben. Von einigen habe ich ja schon berichtet, wie vom Früchtetag, vom Baum oder etwa den Mandazis. Auch von unserem Anliegen mit der Verlegung des Müllberges vor unserer Schule habe ich euch bereits erzählt. Hierzu gibt es nur zu sagen, dass wir unseren geplanten Weg mit ECODS, angefangen mit der Mobilisierung der Menschen und einer folgenden Petition, leider nicht gehen konnten und ECODS jetzt andere Wege finden will, damit eine möglichst baldige Verlagerung des Mülls stattfinden kann. Wir hoffen, dass es ihnen so schnell wie möglich gelingt!

In den letzten Monaten haben wir jedoch viele Projekte innerhalb der Schule durchgeführt und auch unsere Freizeit anders gestaltet! Nun fangen wir einmal an...


Zaun
Da Lu und ich noch einiges an Spendengeldern übrig hatten, überlegten wir, was wir Sinnvolles damit machen könnten. Von der damaligen Schulleiterin, von dem jetzigen Schulleiter und von den Lehrern kam uns zu Ohren, dass der Zaun, der die Schule von hinten von einem eher unsicheren Wohngebiet abgrenzt, ziemlich kaputt sei und es zur Zeit immer häufiger passierte, dass sich nachts Einbrecher auf das Schulgelände begaben und diverse Sachen klauten. Nicht nur das: Es hatte sogar jemand Feuer gelegt in der Nähe des Zaunes, sodass es die Hälfte des Beetes von Madame Mary gebrannt hat. Die Sicherheit der Schüler konnte also nicht mehr garantiert werden.



Nach hin und her überlegen, nahmen wir den Bau eines neuen Zaunes in Angriff, bzw. nicht wir, sondern der Fundi ( Handwerker) der Schule, Joseph. Zusammen fuhren wir die Materialien einkaufen und er erbaute zusammen mit einem Freund mit viel Mühe und Kraft einen super tollen neuen Zaun innerhalb von 4 Tagen! Seitdem ist nichts mehr in der Richtung weder den Schülern noch der Schule an sich passiert. Alle fühlen sich sicher.



Verladen der Zementpfosten



Hiermit möchten wir dem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium Öhringen herzlichst für die Spende vom Weihnachtskonzert danken, ohne die dieser Erbau niemals möglich gewesen wäre!!! Vielen Dank! Und es kommt noch besser...

Auch hörten wir von den Lehrern Beschwerden, dass es einen großen Mangel an Stühlen und Tischen gibt. Wir fanden jedoch heraus, dass es zahlreiche Möbel gibt, die seit langer Zeit kaputt sind und repariert werden müssten. Sogar dieser Angelegenheit konnten wir mithilfe eurer Spenden behilflich sein. Auch diese Reparaturen wurden von dem Fundi gemacht - und zwar 1a!



Joseph an der Arbeit





Nicht nur wir, auch die Lehrer sind sehr glücklich darüber, dass aus alt neu gemacht wurde. Nochmals: 
ein riesiges DANKESCHÖN!












Kinder der halben Sonnen ( www.halbesonnen.de)

In der Nähe von Luisas Heimatstadt Rathenow gibt es die Kita Spatzennest, in der sich Lu engagiert hat und auch über die Zeit hier den Kontakt gehalten hat. Diese Kita hat sehr bemühte Mitarbeiter und eine tolle Leitung, die das Projekt: „Kinder der halben Sonnen“ vor einigen Jahren kreiert hat und immer positive Rückmeldung bekommen hat.

Sie fragten auch uns an, ob wir das Projekt der Kinder der halben Sonnen nicht auch in unserer Schule in Kisumu machen können. Hierbei geht es um Kontaktaufnahme und Freundschaftsschließung zwischen verschiedensten sozialen Einrichtungen. Natürlich stimmten wir zu.

Also malten die Kinder in der Kita Spatzennest jeder eine Sonne auf eine DIN A3 Seite. Dieses Blatt wird danach durchgeschnitten in 2 Hälften, die dann jeweils A4 Größe haben. Die eine Hälfte behielt die Kita, die andere Hälfte schickten sie zu uns. In der gleichen Zeit bereiteten wir das gleiche vor und schickten die andere Hälfte zu den Kindern ins Spatzennest.

Jetzt hat jede Einrichtung eine Hälfte von einem deutschen und eine eines kenianischen Kindes... Und diese wundervollen Prachstücke sind dabei heraus gekommen und schmücken jetzt unsere Essenshalle!



Joseph ganz stolz

Triza, die kleine Prinzessin




In der Kita Spatzennest hängen schon sehr viele Sonnen aus allen möglichen Ländern der Welt und wir wünschen ihnen noch viele mehr!


Das war so das, was uns in den letzten paar Monaten beschäftigt hat und uns hat alles sehr viel Spaß bereitet!

Langsam wurde es auch Zeit für die jährlichen Hausbesuche der Familien der Kinder, die innerhalb oder nicht so weit von Kisumu weg wohnen. Diese Hausbesuche sind sehr sehr signifikant sowohl für die Lehrer als auch für die Familie, um sich auszutauschen, zu sehen, wie und unter welchen Umständen die Kinder leben, um herauszufinden, wie sie sich zu Hause verhalten, was ihre Aufgaben zu Hause sind, wie ihr Umfeld ist und um von den Eltern zu erfahren, ob sie Veränderungen/Fortschritte an ihrem Kind gesehen haben, seitdem es zur Schule geht. Auch ist es sehr interessant zu erfahren, wie die Eltern ihre Kinder einschätzen und welchen Job die Kinder ihrer Meinung nach ihrer Schulzeit erlernen können. Der Zeitpunkt für die Besuche, also 3 Wochen vor Ende unserer Arbeit, ist für Lu und mich perfekt, da wir jedes einzelne Kind jetzt kennen und es einigermaßen einschätzen können. Es ist wirklich jedes Mal erstaunlich zu sehen wie die Kinder leben und in was für Verhältnissen sie aufgewachsen sind und wohnen, denn man wird ständig überrascht. Ab und zu kommt es auch vor, dass die Eltern bzw. die Mutter „Chai“ vorbereitet. Mit „Chai“ bezeichnet sie aber nicht nur Tee, sondern schließt Brot/ Mandazi essen mit ein. Sehr lecker! So zum Beispiel auch beim Besuch von Bethers ( die bei uns im Workshop 4 ist) Mutter:




Ansonsten kamen Luisa und ich im März, als Marvin da war, über Lisa an eine Organisation, die mit Straßenkindern zu tun hat und wir begleiteten einen Freund von Lisa, Moses, abends zu einem der vielen Schlafplätze von Straßenkindern in der Innenstadt, um sie zu besuchen. Moses war früher selbst ein Straßenjunge und hat dementsprechend Erfahrung. Das anfangs mulmige Gefühl in meinem Magen, warum auch immer ich das hatte, verflog rasch, als wir von den Kindern willkommen gehießen und herzlich aufgenommen wurden. Wir saßen einfach nur da und haben mit ihnen geredet und sie erzählen lassen. Diese Erfahrung war für mich so einprägend und schön, dass ich wusste, dass das definitiv nicht mein letzter Besuch bei ihnen war.

Inzwischen probieren Lu und ich, einmal die Woche an diese sogenannte „Base“ zu gehen, wo sich die Kinder abends zum Schlafen versammeln und sich über Besuch immer gefreut wird. Wir tanzen mit den Kindern, singen mit ihnen, spielen Spiele wie „Here I go, I ride my pony“ oder machen Wettrennen. Außerdem berichten sie uns oft, warum sie von daheim weg gerannt sind. Häufig genannt werden hier, dass sie Schläge oder zu wenig essen bekommen haben oder dass der Vater ein Trinker war. Trotz dem einige von ihnen zu Hause auf die Schule gehen konnten, rennen viele wegen der Familienverhältnisse davon oder trampen illegal auf Lastern mit, wobei wir schon die krassesten Geschichten gehört haben! Auf der Straße versuchen sie dann, mit etwas Geld, dass sie sich mit kleinen Jobs wie Mülleinsammeln oder betteln verdienen, sich etwas Vernünftiges zu essen zu kaufen ein Mal am Tag. Die meisten jedoch kaufen sich von ihrem bisschen Geld neuen Klebstoff, denn die meisten der Kinder schnüffeln Kleber, um ständig high zu sein und sich nicht von Hunger und schlechten Gedanken quälen zu lassen. Ein paar Mal die Woche kommen jedoch verschiedene Leute vorbei und bringen diesen Kindern abends zum Beispiel Brot und Saft vorbei, worüber sie sich immer freuen!

Sowohl die Kleinen, der Jüngste ist etwa 13, als auch die Großen ( älter als 30) habe ich dort auf dem einen kleinen Fleck Kisumus in mein Herz geschlossen. Genauso die Security Guards, die eigentlich nur auf den Shop an dem die Kinder schlafen aufpassen müssen, aber aus Herzlichkeit zudem noch auf die Kinder achten und auf sie aufpassen über Nacht.


Ansonsten gibt es jetzt nicht mehr so viel zu sagen! Genießt eure Zeit und haltet immer die Augen offen! Viel Spaß beim Betrachten der Bilderserie von Erlebnissen in der Schule, von Zuhause in unserer Familie und unserer Freizeit!

Knuddel euch!





beim Sport!








Rawia trägt Feisal

Schöne Schuhe, Fei!

Baraka und Rawia an meinem Fenster

P.S. Bei uns im Deutschen haben die Worte „Kaka“ und „Popo“ ja eine sehr eindeutige Bedeutung. Ich denke, die Worte muss ich jetzt nicht erklären... 

Lu und ich fanden jedoch heraus, dass diese Worte auch im Kiswahili existieren und haltet euch fest: „Kaka“ bedeutet Bruder, „Popo“ ist die Fledermaus. Total witzig! Nur eine Sache wundert mich... als unser kleiner zweijähriger Nachbar Feisal eines Tages in meinem Zimmer saß und „Kaakaaa“ schrie, dachte ich mir nichts dabei, natürlich nicht, warum auch. Es heißt ja „Bruder“ übersetzt. Doch als seine Schwester Rawia zu mir angelaufen kam und: „Miriiiiiii?!?!?!“ rief, wusste ich, was tatsächlich passiert war...diese Kinder! :)

Dienstag, 9. Juni 2015

Ein Wochenende am Haus am See



Mambo vipi!

Als Lu und ich uns eines Abends zusammen setzten, merkten wir, wie die Uhr immer schneller tickt und die Zeit immer und immer schneller an uns vorbei rast. Unsere letzten 10 Wochen sind angebrochen, die meisten Wochenenden sind schon jetzt geplant, denn wir haben noch einiges vor! Auch in der Schule wollen wir noch einige Projekte beenden, bevor die Schule Anfang August für die Sommerferien schließt.

Letztes Wochenende machten wir uns also freitags nach der Schule zusammen mit unseren deutschen Freunden Martin und Jacqueline auf den Weg nach Kendu Bay, etwa 2 h südlich von Kisumu, um einen anderen Freiwilligen, Adrian, zu besuchen. Die Fahrt dahin führte uns durch traumhafte Landschaften. Als Emma mich im Dezember in der Trockenzeit besuchte, fuhren wir zwar bereits einmal nach Kendu Bay, doch durch die Regenzeit jetzt ist alles noch tausend Mal grüner geworden und aufgeblüht, was die Szenerie komplett verändert! Hier ein paar Bilder von der Hinfahrt:




So werden hier Regenschirme genutzt!


Kendu Bay als Stadt zu bezeichnen, ist wirklich sehr gewagt. Man kann Kendu Bay als eine winzige Kleinstadt beschreiben, die eben mehrere und größere Dukas, also Einkaufsmöglichkeiten, bietet als man auf dem Dorf vorfinden kann. Nur von dort kann man auch wieder mit dem Matatu nach Kisumu kommen, da die Hauptstraße durch diese kleine Stadt führt und die Kleinbusse halten.





Als wir uns dort mit Toast, Orangen, Tomaten und Bhajia ( Bratkartoffeln, die meistens auf der Straße von Frauen, von Einheimischen auch „Mamas“ genannt, zubereitet werden) eingedeckt haben, ging unsere Reise jedoch weiter! Adrian wohnt nämlich nicht direkt in Kendu Bay, sondern etwa 1h mit dem Piki Piki weiter im Inland. Also begaben wir uns auf den holprigsten, gefährlichsten und schnellsten Weg, den ich wohl jemals mit dem Piki Piki gefahren bin. Es war wirklich lebensmüde. Als ich den Fahrer auf Kiswahili darauf hingewiesen habe, dass er durch den Staub, der Dunkelheit und den Fliegen eventuell nichts mehr sieht ( so ging es jedenfalls mir) und vielleicht langsamer fahren sollte, lachte er nur und gab noch mehr Gas. Ich weiß auch nicht, warum er es nicht verstanden hat. Vielleicht hatte er bereits ein paar Fliegen im Ohr.

Nachts sind wir mitten im nirgendwo angekommen, wo die Dunkelheit von hunderten von winzigen Glühwürmchen erhellt wurde. Wir wurden gleich darauf hingewiesen, dass es zur Zeit keinen Strom gibt. „Zur Zeit“ bedeutet seit Anfang Mai, wie wir von Adrian erfuhren. Aber darauf hatten wir uns schon eingestellt, was auch überhaupt nicht schlimm für uns ist. In Kisumu haben wir auch Stromausfall, aber nur ganz selten und meist dann, wenn man skypen will ( was für ein außergewöhnlicher Zufall! ). Wir fanden es ziemlich verrückt, dass im nirgendwo plötzlich so eine riesige, aber leere und verwahrloste Hostelanlage direkt am See steht und wir in dem nobelsten der vielen Häuser einquartiert wurden. Abends machten wir es uns also mit Kerzen gemütlich und verbrachten den Abend mit Gesprächen über Gott und die Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, zum Beispiel über das Thema, ob Religion als Fach in staatlichen Schulen unterrichtet werden sollte oder nicht oder wie wir zur Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen stehen. Es war eine endlose Diskussion! Doch irgendwann schafften wir es doch, ins Bett zu gehen und lauschten noch eine Weile den gigantischen Tiergeräuschen.

Ich wusste, dass wir am nächsten Tag wandern gehen wollten. In meinem Gehirn hatte sich jedoch verankert, dass wir nur auf einen Hügel steigen wollen. Also nahm ich meine Wanderschuhe nicht mit. Als es hell wurde am nächsten Morgen und ich fragte, ob die hohen Berge, Homa Hills, die wir da sehen, die „Hügel“ sind, die wir besteigen wollen. Die Antwort lautete witzigerweise ja und ich dachte mir: Juuuhu! Wandern mit Vans ohne Profil, was Geileres gibt es ja nicht. Naja, trotz alledem machten wir uns natürlich auf den Weg! Ab unserer Unterkunft ging der Weg immer schön leicht bergauf bis wir Adrians Projekt erreichten. Er arbeitet als Sportlehrer an einer Secondary School. Für Lu und mich war es ziemlich interessant, auch mal eine Secondary School kennenzulernen um somit weitere Eindrücke von verschiedenen Schulsystemen Kenias zu bekommen.

Zusammen mit Adrian und zwei seiner Schüler, die unsere Guides waren, machten wir uns dann auf zum Fuß des Berges, was auch nicht ganz ohne wahr und wir da schon ganz schön aus der Puste waren! Der Aufstieg war auch nicht ganz einfach, da das Geröll Spielchen mit uns gespielt hat und manche Steine auf die man stieg, gar nicht fest waren. Dazu kam noch die zunehmende Hitze. Doch wie man an den Bildern erkennen kann, hat sich der lange Weg extrem gelohnt und wir haben unser Picknick mit einem gigantischen Ausblick richtig genossen!









Danach legten wir uns unter einen Baum, wo vorher Esel gegrast (und Kakaaaa gemacht) haben und genossen die Stille, das für uns frühlingshafte Vogelgezwitscher und das Wolkenspiel. Ich habe gar nicht registriert, dass mein linker Arm die ganze Zeit in Eselmist gelegen hat, bis Lu mich darauf hingewiesen hat. Nach einer Stunde Aufenthalt machten wir uns auf den Rückweg, wo uns das Geröll noch größere Probleme bereitete, wir aber schneller unten waren, als wir glauben konnten. Kennt ihr das Gefühl, wenn man wieder unten angekommen ist und nochmal zu dem Berggipfel hinauf schaut und denkt: Oh mein Gott, da waren wir oben?!?! Genau das dachten wir uns auch. Zum Ausspannen gönnten wir uns an einer kleinen Duka eine Soda. Es war sogar ein abgegrenzter Bereich zum Sitzen vorhanden. Doch auch in diesem Bereich waren wir nicht sicher vor den zwanzig Kindern, die uns die ganze Zeit beobachtet hatten, nachdem wir wieder unten angekommen waren vom Berg. Sie sind uns bis zur Duka gefolgt und haben ständig durch den Zaun gelugt, sodass man etwa zehn Augen durch den Zaun starren sehen konnte. So ist das oft in den ländlichen Gegenden in Ostafrika. Je weiter sich man von der Stadt entfernt, desto seltener leben dort Menschen mit heller Hautfarbe und man wird automatisch zur Attraktion. Eine Attraktion zu sein ist meist ziemlich nervig, da man eben entweder oft verfolgt wird und/ oder auch sehr häufig aus den Mündern die Frage „mzungu, how are you?“ kommt. Doch diese Frage wird man auf dem Land genauso wie in der Stadt täglich gefragt.
Witzigerweise hat Adrian den meisten Leuten in seinem Dorf den Namen Sarah beigebracht, weil seine kurzzeitige Mitfreiwillige Sarah hieß, sodass sie sie damals anstatt „mzungu“ „Sarah“ nannten. Als wir an ihnen vorbei liefen, wurde uns „Sarah“ hinter her gerufen, das war ziemlich lustig und natürlich sehr angenehm! :)

Bevor wir wieder ins Hostel am See liefen, machten wir noch Halt an Adrians Zuhause. Er wohnt direkt an der Schule in einem einfachen Haus aus Lehm und wie man sieht, hat er es sich richtig gemütlich dort gemacht und jeder weiß, dass dieses sein Zimmer ist:



In unserer Unterkunft genossen wir alle erst einmal eine Dusche, bevor wir uns noch zum Ausspannen auf eine betonierte Plattform am See setzten.


Liebeee!


Danach gingen wir Sachen zum Essen und einen Gasgrill besorgen. Außerdem hatte Adrian seine tolle Solarlampe mitgenommen, die uns richtig hilfreich beim Kochen war. In unsere Reispfanne mischten wir als Geschmacksverstärker noch die weltbeste Erdnussbutter, die der Delikatesse noch den Rest gab.

Martin schwer am Kochen!



Nach dem gemeinschaftlichen Sonntagsfrühstück machten wir uns auf den Rückweg nach Kisumu. Bevor wir jedoch nach Kendu Bay zurück fuhren, machten wir noch einen Abstecher zu den heißen Quellen, um uns jeweils ein Ei zu kochen. Nochmals trafen wir auf eine total schöne Landschaft. Je länger wir dort waren, desto mehr Kenianer versammelten sich um uns herum. Eine dort lebende Frau verlangte sogar von uns, dass wir für das Eier kochen etwas zahlen sollen. Natürlich gingen wir nicht darauf ein, da es ein öffentlicher Platz ist und an diesen Teilen der Natur ja jeder teilhaben kann. Ich meine, ihre Nachbarskinder durften dort auch ihren Mais kochen?



extrem faszinierend..nach 10 Minuten waren die Eier gut essbar!


Dann ging es mit der Piki Piki Fahrt weiter und wir stiegen ohne Adrian ins Matatu zurück nach Kisumu.

Die Atmosphäre auf dem Land war einfach gigantisch, total ruhig und entspannt und die Landschaft atemberaubend. Das liegt auch daran, dass es dort in der Gegend etwa 3 Autos weit und breit gibt. Ein richtiger Urlaub für die Seele! Wirklich ein schöner Kontrast zum lauten, vollen Kisumu und gut, um mal aus der Stadt heraus zu kommen. 

Jedoch ist es durchaus sehr angenehm, hier in Kisumu zu leben, wo man sich keine Gedanken machen muss, wie und wann man am besten an Obst/Gemüse oder zum Supermarkt kommt, haben wir bemerkt. Das Leben auf dem Land fordert mehr Geduld und Zeit, hat jedoch auch seine Vorteile. Auf jeden Fall war es eine großartige Erfahrung und ein tolles Wochenende mit super Leuten!

Der nächste Blog wird spannende Geschichten rund um die Schule erzählen, also freut euch darauf!

Bis bald,
Miri

Dienstag, 5. Mai 2015

Nataka kuona dunia – Eine Woche durch Uganda und Rwanda reisen


Mambo!

Nach Marvin und meiner großartigen Reise nach Tansania und einer Woche in der Schule wegen eines neuen Projektes blieb immer noch genug Zeit für Lu und mich übrig, uns nochmals auf eine größere Reise zu begeben. Wer weiß, vielleicht war es ja schon das letzte Mal für uns!

Zuerst fuhren wir nach Jinja, Uganda. Dort holte uns Paula ab, eine Freiwillige von unserer Organisation Via e.V. und wir fuhren zu Riekes und ihrem Haus, was sehr nahe dem Nil gelegen ist. Nach einem Austausch mit ihnen und leckerem Essen machten wir uns am nächsten Tag auf große Entdeckertour. Als erstes liefen wir zur Nilquelle runter, wo der Nil aus dem Viktoriasee entspringt und verbrachten dort einige Zeit. Unter anderem tranken wir natürlich genüsslich ein Nile ( eine lokale Biersorte) am Nile !



Danach besuchten wir die Innenstadt...


...Innenstadt...Wie sieht es bei uns wo wir gerade leben überhaupt aus?
Generell lässt sich zu ostafrikanischen Städten sagen, dass diese in keinster Weise mit den europäischen Städten vergleichbar sind und es keine besonderen Sehenswürdigkeiten gibt, es sei denn, man befindet sich in den Hauptstädten, wo man doch das ein oder andere besichtigen kann. Meist findet man Läden an der Straße vor, wo entweder elektronische Dinge oder überall dieselben Haushaltssachen und Lebensmittel wie Toast, Mandazi, Waschmittel, Seife, Kerzen uva. verkauft werden. Nicht zu vergessen sind auch die vielzähligen Kinyozis, kleine Frisörläden mit meist nur einem Sessel und guter, lautstarker Musik.

Außerdem gibt es neben einigen größeren Supermärkten, wo es seit den Anschlägen der islamistischen Terrororganisation Al-Shabab verstärkt Securitys gibt, viele Stände ( in Kisumu sind sie aus Holz), an denen fleißig Früchte und Obst sowie auch Klamotten ( vor allem Trikots) angeboten werden. Auch gibt es oft eine große Markthalle, wo Händler ihre Ware verkaufen und andere diese für ihre kleinen Lädchen einkaufen. Der Knotenpunkt einer Stadt hier ist eigentlich immer die Matatu Station, also dort, wo alle Busse abfahren. Busse sind wohlgemerkt das üblichste Transportmittel hier. Autofahren würde ich sowieso und vor allem in der Stadt nicht so gern, da mir die Straßen doch zu viele Geschwindigkeitsbremsen wie Huppel ( die dringend notwendig sind bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 kmh! ) haben, mir der Verkehr zu chaotisch wäre, weil jeder seine eigenen Regeln hat und weil ich garantiert in jedes Schlagloch fahren würde, da die Straßen doch oft nicht so gut und alt sind oder kaum asphaltiert. Ob dann eine Stadt noch Accessoires wie einen Park oder Straßenlichter hat und wie sauber sie ist, dafür ist die regionale Regierung zuständig. Zum Thema Sauberkeit wisst ihr ja schon einigermaßen über Kisumu Bescheid!
Außerdem gibt es verschiedene Wohngegenden die jeweils einen Namen haben. So ist zum Beispiel "Milimani" normalerweise das Reichenviertel einer Stadt. Auch die zwei slumartigen Gegenden Kisumus haben spezielle Namen. Wenn man jemandem sagt, wo man wohnt, kann man theoretisch immer den Begriff den Umständen und der Wohnart zuordnen. Hochhäuser sind übrigens eher rar. Doch besonders an ihnen kann man erkennen, dass immer nur gebaut werden kann, wenn die Mittel dafür vorhanden sind – wenn nicht, hören sie eben am zweiten Stock auf zu bauen. Das Baugerüst ist übrigens komplett aus Holz zusammengebaut, wie man auf dem Bild unten erkennen kann!

Naja wie auch immer: Hier ist normalerweise nicht so viel mit durch die Stadt bummeln angesagt, da man oft gar keine richtige „Innenstadt“ vorfindet und es auch nicht wirklich das „Bummelgefühl“ auslöst wenn man beispielsweise durch Kisumu läuft.
Hier ein paar Schnappschüsse von der Straße aus. Die Situationen der Bilder kann man in- oder außerhalb einer Stadt finden.















Würstchenverkäufer

Hier werden Kohlesäcke am Straßenrand verkauft


Markt

Matatu Stage


Baugerüst aus Holz




Jinja hingegen als Stadt hat uns sehr begeistert ( noch mehr als Tanga), weil es sehr sauber war und alles irgendwie eine Ordnung hatte, was wie gesagt nicht selbstverständlich ist. Man hatte richtig das Gefühl, als würde sich Mühe gegeben! Sogar fanden wir ein Local Cafe und tranken einen Kaffee am Straßenrand, was wir bisher noch nie gemacht haben! Jinja war wirklich eine sehr sympathische Stadt für uns und wir haben es sehr genossen in die kleinen Lädchen zu gehen, die alle an der Hauptstraße angeordnet waren, welche jedoch eben wegen der Nilquelle sehr auf den Tourismus ausgelegt waren, was wir aber in keinster Weise schlimm fanden :) Besonders fasziniert hat uns die riesige Markthalle, worin jeder seinen Platz hatte, fleißig verkauft und genäht wurde. Da war wirklich mal bummeln angesagt, da wir auch sehr angenehm und ohne schräg von der Seite angeguckt zu werden sorgenlos durchlaufen konnten!




Danach waren Lu und ich, wie wir eben sind, ein bisschen verrückt. Wir gingen zu einem Pikifahrer und fragten ihn, ob wir sein Motorrad ausleihen können. Er fand es witzig und meinte, ob wir denn fahren können. Natürlich verneinten wir. Deshalb fuhren wir ein wenig von der Hauptstraße weg und versuchten jeweils unser Glück mit dem Motorrad. Hat eigentlich ganz gut geklappt, es ist jedoch trotzdem nicht einfach! Weil ich es mit dem Anfahren nicht so drauf hatte, hab ichs wohl irgendwie geschafft, mit dem übelsten Wheelie für einige Sekunden zu fahren, woraufhin Lu sofort runtersprang. Meine Gefühle schwebten zwischen „Freiheit!“ und „ Ich werde sterben!“. Wohlgemerkt, wir fuhren ohne Helm.



Am Tag danach besuchten wir die Sipi Falls bei Mbale, die größten Wasserfälle Ostafrikas. Die Fahrt dahin war ätzend, weil einfach 3 von den 7h aus warten bestanden. Ich hab noch nie so viel gewartet wie hier in Afrika und wirklich geduldig gelernt, wie viele Menschen hier auch einfach wenig bis nichts zu tun können in dieser Zeit. Doch die Wasserfälle, 75m, 89m und 100m waren überragend und machten alles wieder gut! Vor allem, als es dann richtig anfing zu gewittern und es nur schüttete! ( wisst ihr, als ob wir nicht schon nass genug waren von den Fällen :D ) Ab da liefen wir mit dem Schutz eines riesigen Bananenbaumblattes durch die Natur, das war richtig Abenteuer. Auch, nachdem ich fünfmal ausgerutscht und hingefallen bin und die Truppe nur auf mich gewartet hat und AUCH nachdem mein Bananenblatt fast ganz zerrissen ist !


Chamäleon !


Nach 3 Tagen verließen wir Paula und Rieke und fuhren über Entebbe auf die Ssese Islands im Viktoriasee. Nachdem wir nicht zelten konnten, da es zu stürmisch war nachts, wurden wir in ein Zimmer mit direktem Seeblick und 15m bis in den See vermittelt. Es war richtig Urlaub dort und wir ließen es uns mit gutem Essen, mit unserem Hund Zusi, die uns nicht mehr verlassen wollte und auf die wir manchmal den Hass hatten ( z.B. als wir den Weg von der Hauptstadt Kalangala runter trampen wollten und uns alle mitnehmen wollten bis sie den Hund sahen), mit Bier und mit baden richtig gut gehen. Auch Quad fahren mussten wir unbedingt und hatten den Spaß unseres Lebens! Wie in einem James Bond Film rasten wir durch Palmenplantagen und durch kleine Fischerdörfer unter Wäscheleinen durch.




















Danach wollten wir eigentlich nach Fort Portal zu Sophia, einer Freiwilligen, an der Grenze zum Kongo fahren. Doch irgendwie kam uns die spontane Idee, nach Kigali zu fahren, in die Hauptstadt Rwandas. Durch Zufall bekamen wir direkt noch einen Bus dorthin und wir fuhren einfach drauf los, ohne jeglichen Plan von der Stadt und allem.

Nachts kamen wir an und übernachteten zusammen mit Joseph, der auch auf Motelsuche war, in einem ziemlich nicht so schönem Motel. Wir haben ja schon viel erlebt und erfahren bezüglich Hotels, aber 8€ für das Zimmer war eindeutig zu viel für diese Konditionen, aber willkommen im teuren Kigali! Am nächsten Morgen wurden wir von der Rush Hour aufgeweckt und verließen das Zimmer. Wir genossen eine Pizza, Kuchen und ein Schokoladenbrot ( juhuuu!) zum Frühstück, während wir uns im Cybercafe über diese Stadt informierten. Somit kamen wir in das beste Hostel der Welt mit Pool, Volleyballfeld und Bowlingbahn, namens Mamba Club. Von dort aus besichtigten wir das Tutsi - Genozid Museum mit Ausstellungen und Gräbern, die uns sehr gefiel und uns sehr gut in Erinnerung bleiben wird. Vielleicht kennt ihr den Film „Hotel Rwanda“, wenn nicht, müsst ihr den unbedingt anschauen! Er fasst die Ereignisse vor jetzt genau 20 Jahren sehr gut zusammen und ist sehr authentisch dargestellt. Zufälligerweise liefen wir auch an diesem Hotel aus dem Film, das Milles Collins, vorbei, welches die Inspiration für den Film war. Außerdem besuchten wir am nächsten Tag die Inema Art Gallery, wessen Hauptgründer im Februar erst an einer Ausstellung in Köln teilgenommen hatte. Es war eine so tolle Atmosphäre dort mit vielen coolen und interessanten Menschen und Bildern!


Stadt Kigali
Die Innenstadt Kigalis ist sehr faszinierend und modern. Überall stehen große Banken ( wie auch in Nairobi und Daressalam), jedoch ist alles geregelt und sauber. Die erste Veränderung machte sich am plötzlichen Rechtsverkehr bemerkbar. Überall sind Straßenlichter vorhanden, die manchmal sogar mit der ruandischen Flagge bemalt hatten, jedes Haus ist durch ein eigenes Licht beleutet, es gibt einen Bürgersteig mit Straßenrandmarkierungen und Leuchten und die Straßen sind in bester Verfassung. An Kreuzungen wird ( wie es normalerweise sein sollte) angehalten wenn rot ist und gewartet, bis die Sekundenanzeige auf 0 geht und man fahren darf. Es herrscht kein Chaos. Die Pikifahrer müssen sogar Helme tragen und Helme für Mitfahrer bei sich tragen und die Busse haben digitale Anzeigen. Die Atmosphäre dort war sehr angenehm! Außer, als wir im Aufzug feststeckten und alle Lichter ausgingen, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.




Entfernt man sich jedoch dem Stadtkern, sieht die Stadt gar nicht mehr so besonders aus. Auch die Wohngegenden verändern sich und alles sieht plötzlich wieder „normal“ ostafrikanisch aus. Dies hat uns ein bisschen schockiert, weil wir es uns nicht so vorgestellt hatten. Diese Stadt hat wohl noch mehr Potential als Nairobi, die Stadt der Kontraste schlechthin zu sein. Was auch ungewöhnlich war, war das Problem mit den Sprachen. Hier schlagen wir uns immer mit Kiswahili und mit Englisch durch. Da drüben gab es so gut wie kein Kiswahili ( wie auch in Uganda), sondern eher die lokale Sprache, Englisch oder Französisch.

Auf dem Rückweg wieder nach Kisumu machten wir noch einen Stopp in Kampala und besuchten Jonas, Iris und Viktoria.



Alles in allem war es eine super Reise durch das grüne und prächtige Uganda ( auch genannt " Die Perle Afrikas") und durch Kigali mit tollen Erfahrungen und Begegnungen. Ich habe jetzt schon wieder Fernweh.

Auf der anderen Seite ruft die Arbeit endlich wieder und ich freue mich emens auf die Kinder in der Schule!

Bis dahin,
Eure Miri

Abendbrot auf dem Victoriasee, Ssese Islands